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Technik

Bidirektionales Laden: V2H, V2G und passende Wallboxen

Bidirektionales Laden erklärt: V2L, V2H und V2G, welche Wallboxen und Autos es können, was es kostet und was die MiSpeL-Regeln seit Oktober 2026 ändern.
Von WallboxGuide Redaktion

Aktualisiert am

8 Min. Lesezeit

Beim bidirektionalen Laden fließt der Strom in beide Richtungen: Das Elektroauto lädt nicht nur, sondern gibt Energie auch wieder ab, ans Haus oder ins Stromnetz. Das klingt nach einem großen Stromspeicher auf Rädern. In der Praxis gibt es in Deutschland bisher aber nur wenige freigegebene Kombinationen aus Auto und Wallbox. Dieser Ratgeber erklärt V2L, V2H und V2G, zeigt den Marktstand laut ADAC, die neuen Regeln der Bundesnetzagentur und was das für Ihren Wallbox-Kauf bedeutet.

Preis Bidi-Wallbox
2.100 bis über 10.000 €
ADAC, Juni 2026
Verluste beim Rückspeisen
10–20 %
je nach System, ADAC
Steuergeräte im Auto
ca. 200–300 W
beim Entladen, ADAC
MiSpeL beschlossen
1. Oktober 2026
Bundesnetzagentur
Übergangsphase
bis 30.09.2027
Einverständnis von Netz- und Messstellenbetreiber
Förderung Mehrparteienhaus
bis 2.000 €/Stellplatz
bidirektionaler Ladepunkt, Anträge bis 10.11.2026

V2L, V2H und V2G: drei Stufen

Der ADAC unterscheidet drei Varianten, je nachdem, wohin der Strom aus dem Auto fließt:

VarianteWohin der Strom fließtWas Sie brauchen
Vehicle-to-Load (V2L)an einzelne Geräte, etwa Werkzeug oder Campingausrüstung, ohne Verbindung zum HausnetzAdapter am Fahrzeug, keine bidirektionale Wallbox
Vehicle-to-Home (V2H)ins eigene Hausnetz, etwa abends, wenn die PV-Anlage keinen Strom mehr liefertbidirektionale Wallbox und freigegebenes Auto
Vehicle-to-Grid (V2G)ins öffentliche Stromnetz, gegen Vergütungbidirektionale Wallbox, freigegebenes Auto und passender Stromtarif

Für V2G ist laut ADAC eine Vergütung vorgesehen, die Rahmenbedingungen in Deutschland waren im Juni 2026 aber „noch nicht abschließend geklärt“. Was sich seither geändert hat, steht weiter unten bei MiSpeL.

AC oder DC: Warum heute meist DC

Technisch gibt es zwei Ansätze. Eine DC-Wallbox wandelt den Strom selbst zwischen Gleich- und Wechselstrom um. Bei einer AC-Wallbox findet die Umwandlung im Auto statt, das dafür einen bidirektionalen Bordlader braucht. Laut ADAC haben viele Autos mit V2L-Funktion einen solchen Bordlader, für V2H und V2G ist er über den Typ-2-Anschluss aber noch nicht in Serie freigegeben. In Deutschland sind DC-Lösungen deshalb weiter als AC-Systeme. Für DC-basiertes bidirektionales Laden braucht das Auto einen CCS-Anschluss und die nötige Software. Den Unterschied der beiden Ladearten erklärt der Ratgeber AC oder DC laden.

Viele AC-Wallboxen werden als „BiDi-ready“ beworben. Gemeint ist laut ADAC, dass die Hardware vorbereitet ist und die Funktion später per Software-Update freigeschaltet werden könnte. Ob das nach den neuesten Normen vollständig funktioniert, ist laut ADAC offen. Der ADAC rät, auf den Kommunikationsstandard ISO 15118-20 und die Kompatibilität mit dem eigenen Fahrzeug zu achten.

Welche Wallboxen und Autos es gibt

Diese bidirektionalen Wallboxen nennt der ADAC im Stand vom 26. Juni 2026:

ModellTyp und LeistungPreis laut ADACStatus laut ADAC
BMW Wallbox ProfessionalDC, 11 kWab 2.095 € (brutto)für Privatkunden bestellbar, V2G und V2H
Ambibox ambiCHARGEDC, 11 kWab 2.995 € (netto)bestellbar, Auslieferung unklar
EVTEC crema&chargeDC, 11 kWk. A.bestellbar, gewerblicher Fokus, V2H
The Mobility House ChargeLine BiDiDC, 11 kWk. A.ab Herbst 2026
Hager Witty FlexDC, 11 kWk. A.ab 4. Quartal 2026

Wichtig ist die Freigabe durch den Autohersteller. Laut ADAC unterstützt BMW V2G und V2H mit der eigenen Wallbox für die Neue Klasse, derzeit den iX3. Fahrzeuge von VW, Škoda und Cupra sowie von Ford arbeiten mit dem speichergestützten System von E3/DC. Der VW-Konzern begrenzt das bidirektionale Laden laut ADAC auf 4.000 Stunden und 10.000 Kilowattstunden. Systeme ohne Herstellerfreigabe bergen laut ADAC Garantie-Risiken für die Fahrzeugbatterie. Eine herstellerübergreifende Kompatibilität nach einem einheitlichen Standard gibt es bislang nicht.

In unserer Datenbank sind ausschließlich AC-Wallboxen erfasst; keine davon ist nach unseren Herstellerdaten heute für V2H oder V2G freigegeben. Zu zwei Modellen gibt es Ankündigungen: Die openWB Pro 22 kW ist laut Hersteller für bidirektionales Laden vorbereitet. Für die Zaptec Go 2 hat der Hersteller laut pv magazine (September 2025) ein Vehicle-to-Grid-Update per Software angekündigt, sobald Normen und Regulatorik geklärt sind. Einen festen Termin gibt es dafür nicht.

Was MiSpeL seit Oktober 2026 ändert

Am 1. Oktober 2026 hat die Bundesnetzagentur die Festlegung MiSpeL (Marktintegration von Speichern und Ladepunkten) beschlossen. Sie soll Stromspeicher und bidirektionale Ladepunkte flexibel nutzbar machen, ohne dass gesetzliche Förderungen verloren gehen. Die wichtigsten Punkte laut Hintergrundpapier der Bundesnetzagentur:

  • Keine Umlagen und Netzentgelte auf Rückspeisung: „Bei bidirektionalen Ladepunkten entfallen die Umlagen (und Netzentgelte) für die Rückspeisung ins Netz.“ Für den Fahrstrom einschließlich der Speicherverluste werden sie weiterhin fällig.
  • EEG-Förderung bleibt: Für Solarstrom vom eigenen Dach kann weiter Förderung beansprucht werden, auch wenn er über den bidirektionalen Ladepunkt zwischengespeichert und ins Netz gespeist wird. Strom, der zuvor woanders geladen wurde, etwa beim Arbeitgeber, erhält als „Fremdtankstrom“ keine EEG-Förderung.
  • Zwei Wege: Die Abgrenzungsoption misst Speicher und Ladepunkte über einen separaten Zähler im 15-Minuten-Takt. Die Pauschaloption ist für PV-Anlagen bis 30 kWp, Speicher und bidirektionale Wallboxen im Heimbereich gedacht und kommt mit einem viertelstundengenauen Zähler am Hausanschluss aus, ohne Umbau des Zählerschranks.
  • Nur mit Direktvermarktung: Laut Hintergrundpapier gelten die neuen Regeln für Nutzer der Direktvermarktung, nicht für Nutzer der festen Einspeisevergütung. Erhalten Sie für Ihre PV-Anlage eine feste Einspeisevergütung, klären Sie vor dem Kauf mit Netzbetreiber und Stromlieferant, ob und wie Sie die Optionen nutzen können.
  • Übergangsphase: Bis zum 30. September 2027 ist das Einverständnis von Netzbetreiber und Messstellenbetreiber nötig, um die Optionen zu nutzen. Für die Pauschaloption steht zudem die beihilferechtliche Genehmigung der gesetzlichen Grundlage noch aus.

Die Bundesnetzagentur schreibt: „V2H und V2G sind damit möglich und rentabel. Auch ohne zweiten Zähler.“ Ob sich das für Sie rechnet, hängt aber weiter von Wallbox, Auto, Tarif und Netzbetreiber ab.

Kosten und Effizienz

Laut ADAC starten bidirektionale Wallboxen bei rund 2.100 Euro, reine DC-Geräte reichen bis in den fünfstelligen Bereich. Hinzu kommen laut ADAC 500 bis 3.000 Euro für die Installation und je nach Zählerschrank 500 bis 2.000 Euro für die Hauselektrik. Speichergestützte Systeme wie E3/DC oder Sigenergy kosten laut ADAC 15.000 bis 25.000 Euro.

Auch im Betrieb gibt es Verluste:

  • Beim Rückspeisen ins Hausnetz gehen laut ADAC je nach System 10 bis 20 Prozent der Energie durch die doppelte Umwandlung verloren.
  • Beim Entladen sind im Auto Steuergeräte mit ca. 200 bis 300 Watt aktiv. Versorgt das Auto nachts nur den Grundbedarf des Hauses, sinkt der Wirkungsgrad laut ADAC auf ca. 50 Prozent.
  • Das Auto muss möglichst dauerhaft angeschlossen sein. Wer täglich pendelt, hat laut ADAC weniger Nutzen.

Zum Vergleich: Die Herstellerpreise der AC-Wallboxen in unserer Datenbank liegen, soweit angegeben, zwischen 535 und 2.099 Euro. Eine bundesweite Förderung für private Wallboxen im Einfamilienhaus gibt es laut ADAC seit 2024 nicht mehr. In Mehrparteienhäusern fördert der Bund einen bidirektional ladefähigen Ladepunkt mit bis zu 2.000 Euro je Stellplatz; Anträge sind bis zum 10. November 2026 möglich, vorbehaltlich der Haushaltsmittel. Details im Ratgeber Wallbox in Mietwohnung und WEG.

Für wen sich das heute lohnt

Geeignet für

  • Hausbesitzer mit PV-Anlage ohne stationären Speicher (laut ADAC perspektivisch)
  • Fahrer eines freigegebenen Autos, etwa BMW iX3 mit BMW Wallbox Professional
  • Interessenten an V2G mit passendem Stromtarif
  • Technikbegeisterte Frühnutzer, die Mehrkosten in Kauf nehmen

Nicht ideal für

  • Pendler, deren Auto tagsüber nicht zu Hause steht
  • Haushalte mit bereits vorhandenem Batteriespeicher
  • Wer Auto oder Marke in den nächsten Jahren wechseln möchte
  • Käufer, die vor allem günstig und zuverlässig laden wollen

Wer heute eine Wallbox kauft, macht laut ADAC mit einem herkömmlichen Modell „nichts falsch“. Sinnvoll sind PV-Überschussladen und die Steuerbarkeit nach § 14a EnWG, die schon jetzt Geld sparen. Passende Modelle finden Sie unter Wallboxen mit PV-Überschussladen und steuerbaren Wallboxen nach § 14a EnWG; wie das Laden mit Solarstrom funktioniert, erklärt der Ratgeber PV-Überschussladen.

Unsere Einordnung

Bidirektionales Laden steht in Deutschland laut ADAC am Beginn der Marktreife. Mit MiSpeL hat die Bundesnetzagentur im Oktober 2026 die wichtigsten Abgabenfragen geklärt, bis September 2027 braucht es aber noch das Einverständnis von Netz- und Messstellenbetreiber. Heute gibt es nur wenige freigegebene Kombinationen aus Auto und DC-Wallbox, und sie kosten ein Vielfaches einer normalen Wallbox. Für die meisten Haushalte ist eine AC-Wallbox mit PV-Überschussladen derzeit die wirtschaftlichere Wahl. Stand der Angaben: Oktober 2026.

Häufige Fragen

Kann jede Wallbox bidirektional laden?

Nein. Für V2H und V2G braucht es eine bidirektionale Wallbox und ein Auto, das der Hersteller dafür freigegeben hat. Laut ADAC (Juni 2026) ist die BMW Wallbox Professional die einzige bidirektionale Wallbox, die in Deutschland breit für Privatkunden verfügbar ist. Als „BiDi-ready“ beworbene AC-Wallboxen sind nur vorbereitet.

Welche Autos können bidirektional laden?

Mit offizieller Freigabe laut ADAC derzeit vor allem die Neue Klasse von BMW (iX3) mit der BMW Wallbox Professional sowie Fahrzeuge von VW, Škoda, Cupra und Ford mit dem System von E3/DC. Der VW-Konzern begrenzt das bidirektionale Laden auf 4.000 Stunden und 10.000 Kilowattstunden.

Was kostet eine bidirektionale Wallbox?

Laut ADAC zwischen rund 2.100 und über 10.000 Euro, dazu 500 bis 3.000 Euro für die Installation. Speichergestützte Systeme wie E3/DC oder Sigenergy kosten 15.000 bis 25.000 Euro.

Fallen für zurückgespeisten Strom Netzentgelte an?

Nach der MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur vom 1. Oktober 2026 entfallen bei bidirektionalen Ladepunkten Umlagen und Netzentgelte für die Rückspeisung ins Netz, für den Fahrstrom nicht. Die Regeln gelten laut Bundesnetzagentur für Nutzer der Direktvermarktung, und bis zum 30. September 2027 braucht es das Einverständnis von Netz- und Messstellenbetreiber.

Verfasst von

WallboxGuide Redaktion

Die Redaktion pflegt die Produktdatenbank, wertet Herstellerangaben aus und schreibt Kaufberatungen und Ratgeber. Bewertungen entstehen nach der öffentlich dokumentierten Methodik.

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